Kritik

Auswahl



Mizar begeistert mit Streichquartett

Festival "Faszination Musik"

Verden. Sowohl programmatisch als auch klimatisch zweigeteilt war das Konzert des Mizar-Quartetts am Sonnabendabend im Rahmen des Festivals 'Faszination Musik' im Innenhof des Verdener Domes. Zum einen gab es in der ersten Halbzeit ein komplettes romantisches Streichquartett und danach einen bunten Strauß bekannter Salon-, Chanson- und Schlager-Sätze, zum anderen fand in der Pause ein Temperatursturz von mehr als 15 Grad statt. So teilten sich die teils spritzigen, teils melancholischen Klänge und der extrem frische Wind die Ehre, auf bloße Damenschultern Gänsehaut zu zaubern.

Ohne jede detaillierte Programmankündigung, wusste das Publikum zuvor zwar, dass, aber nicht was das von der Yehudi-Menuhin-Stiftung geförderte Ensemble spielen würde - gleichsam eine 'musikalische Wundertüte'. Dass zum Auftakt ausgerechnet das 'Amerikanische Quartett' von Dvorak angesagt wurde - zufriedene Ausrufe und selige Seufzer der Kenner im Publikum zeugten davon, dass es zu diesem Anlass keine bessere Wahl geben konnte.

Das Quartett op. 93 in F-Dur, dem böhmischen Meister in Auftrag gegeben, um der jungen amerikanischen Nation eine musikalische Stimme zu geben, entstand gleichzeitig mit der großen Sinfonie 'Aus der neuen Welt'. Seine leuchtenden Klangfarben und seine melodieschwelgerische Lebensfreude waren dem Publikum Beglückung und Erfrischung zugleich in einer hitzigen Atmosphäre von mehr als 35 Grad.

Die Sehnsucht nach dem geliebten Böhmen und die Lust am Entdecken des Neuen, die Anklänge an indianische Weisen und Schilderungen einer weiten und wilden Natur, wie sie Europa nicht kennt, schufen den vielleicht ersten vollendet gelungenen Versuch 'musikalischer Globalisierung', in dem sich die Inspiriertheit des Werkes direkt auf das Publikum überträgt.

Charme und Musizierfreude

Mit Charme und Musizierfreude gestalteten die vier jungen Frauen ihre sehr direkte, energiegeladene Interpretation. Dvorak, der die tiefen Streicher liebte, maß der Viola und dem Cello gleichberechtigte Bedeutung bei und schenkte ihnen und damit dem Publikum die herrlichsten warmen Kantilenen, überstrahlt von der Brillanz der Violinen.

Der zweite Satz war wie eine selige Barcarole im Duft der Lindenblüten; die letzten Sätze ließen die scharfen Kontraste in Tempi, Dynamik und Empfindung geradezu analytisch heraustreten. Dass der zweiten Geige im Finalsatz die E-Saite riss, war nur am hässlichen Knacks zu hören - unangefochten und musikalisch nicht wahrnehmbar, brachte sie ihren rasanten Part in den hohen Lagen der A-Saite nach Hause.

Der Name des Mizar-Quartetts mit Primaria Friederike Hess-Cagnon, Julia Nastasja Brommann (2. Violine), Juliane Bremer (Viola) und Corinna Leonbacher (Cello) findet eine besonders romantische Erklärung. Er leite sich her, so erfuhr das Publikum, von dem gleichnamigen mittleren Gestirn an der Deichsel des Großen Wagens, das wie ein Stern aussehe, aber bei genauerer Betrachtung durch ein starkes Teleskop aus vier sich gegenseitig umkreisenden Sternen bestehe.

In der Pause stellten sich stürmische Winde ein, der Himmel zog sich zu und die Bühne begann bedrohlich zu rattern und zu knattern. Der erneute Auftritt des Quartetts wurde von Donnergrollen und schlimmen Böen begleitet, doch gelassen bändigte das virtuose Quartett die Noten mit Wäscheklammern und stimmte in den zweiten Teil aus Tango, Cha Cha Cha und anderen sommerlich beschwingten Rhythmen an.

Ob 'Suite d´Espagna' von Albeniz , ob 'Summertime' von Gershwin, das Publikum ließ sich willig mitnehmen auf die internationale Reise durch heiß durchtanzte Sommernächte. 'O sole mio' und 'I am Sailing' weckten Urlaubs-Assoziationen, und zum Segeln war der Wind ja auch wirklich gut geeignet, der jetzt den Damen in die Frisuren und der Bühne unter die Plane fuhr. Mit Edith Piafs 'La vie en rose' wurde es herrlich melancholisch, und mit 'Girl von Ipanema' und 'Pink Panther' gab es auch für die Jazz-Freunde im Publikum etws zum Schwelgen. Zur Kraftentfaltung von Mancinis geschmeidigem Raubtier durfte das Publikum mit Zischen und Schnipsen seinen Beitrag leisten, und was bei 35 Grad eine echte Herausforderung gewesen wäre, wurde nun bei sehr windigen 20 Grad zum willkommenen und bestens gemeisterten 'Warming up'.

Exakt zur Zugabe mit ABBAs 'Super Trooper' fiel ein wenig Wasser vom Himmel, und das war der beste Beweis dafür, dass Optimismus und Gelassenheit am besten zum Ziel führen - in diesem Fall zu einem weitgehend ungestörten, farbenreichen und beschwingten Open-Air-Event.


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Von Susanne Ehrlich
Aus: Weser-Kurier – 04.07.2010


Vier Solistinnen als Einheit

Das Infiando-Quartett [Mizar Quartett] gastierte am Sonntag im Stift

Sie hatten sich ein sehr anspruchsvolles Programm ausgesucht, um das fachkundige Bassumer Kammermusikpublikum am Sonntagnachmittag zu überzeugen: Die vier jungen Solistinnen des Infiando Quartetts [Mizar Quartett] aus Hamburg mit Friederike Hess-Gagnon (erste Violine), Julia Nastasja Brommann (zweite Violine), Juliane Bremer (Viola) und Corinna Leonbacher (Violon-Cello). Schon das erste Stück, Adagio und Fuge c-moll für Streichquartett, KV 546, 1788 von Wolfgang Amadeus Mozart komponiert, verlangte den jungen, in eleganten langen Kleidern musizierenden Virtuosinnen alles ab. Sie meisterten es mit Bravour. Doch Haydns Streichquartett Nr.67, D-Dur, op. 64, das so genannte Lerchenquartett, das zweite Stück des Programms, forderte das Quartett noch mehr. Allein der Part der ersten Violine war technisch ausgesprochen schwierig. Diesen intonierte Friederike Hess-Gagnon jedoch mit einer schier unglaublichen Sicherheit und großer Virtuosität. Dabei brillierte die junge Geigerin insbesondere im zweiten Satz, dem Adagio, durch Klangklarheit und überragende Fingerfertigkeit. Zusammen mit ihren Kolleginnen erntete sie vor der Pause frenetischen Applaus. Im zweiten Teil des hörenswerten Kammerkonzertes brachten die vier Musikerinnen das Streichquartett g-moll, op 27 von Edvard Grieg zu Gehör. Auch diese sehr ausladende, von Dynamik und Expressivität nur so sprühende Komposition beherrschten die vier jungen Damen perfekt. Es gab sogar – für Kammermusiker sehr ungewöhnlich – Zwischenbeifall in einer Satzpause. Das Infiando-Quartett [Mizar Quartett] hat beim vierten Kammerkonzert der Reihe 2009 sein Publikum auf der ganzen Linie überzeugt Vier „Aufzüge“ des begeisterten Auditoriums belegten dann auch die Qualität des Konzertes und seiner Interpretinnen. [...] nach oben


Kieler Nachrichten 17. 10. 2008

Salzau - "Vier vernünftige Herren unterhalten sich", so beschrieb Goethe seinen Höreindruck beim Streichquartett, der auch bei der Auftaktveranstaltung zur neuen Konzertreihe "Künstler im Dialog" im Salzauer Herrenhaus zutrifft - wobei die "vernünftigen Herren" hier die Damen des Hamburger Infiando-Quartetts [Mizar Quartett] sind. Goethe legte einen Akzent auf die Vernunft, denn die Gattung Streichquartett galt auch als musikalischer Ausdruck des aufgeklärten Disputs, wo nicht ein Wort das andere gibt, sondern These und Antithese zur Synthese der Erkenntnis kommen. Unter diesem Stern steht Beethovens Streichquartett Nr. 4 c-moll, op. 18. Solchen inneren Tetralog präsentieren Friederike Hess (1. Violine), Julia Nastasja Brommann (2. Violine), Juliane Bremer (Viola) und Corinna Leonbacher (Cello), allesamt Studierende an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater. Im eröffnenden Adagio und Fuge c-moll, KV 546 lassen die vier Damen einen Mozart erklingen, der das Ringen um die dialektische Form hinter sich lässt, indem er sie erweitert. Bachs Präludium und Fuge sind Mozart hier deutliches Vorbild, und so musiziert das Quartett die Polyphonie markant bis zur Kantigkeit als "absolute Musik", frei von jedem Programm gegenseitigen sich Zuneigens. Das Programm der Aufklärung, im vernünftigen Dialog die Welt zu ordnen, lag 1960, als Dmitri Schostakowitsch bei einem Gastaufenthalt in Dresden sein Streichquartett Nr. 8 c-moll, op. 110 komponierte, ganz augenscheinlich in Trümmern. Entsprechend sind es nicht mehr vier Vernünftige, sondern Verzweifelte, die sich entlang des Leitmotivs "D-Es-C-H" begegnen. Das endrücklichste Werk des Abends spielt das Infiando-Quartett [Mizar Quartett] mit wütender Inbrunst. Nach Klängen aus entfernten, leer getosten Räumen im Kopfsatz setzen die Damen im Allegro molto die Bögen wie die Sensen des Schnitters auf die Saiten. Erst im abschließenden Largo, wo ein trockener, verwehender Klang entsteht, scheint der schrille Schmerz gestillt. Man sitzt geschockt wie betört über den Trümmern und weiß, wie man sie wieder aufrichtet: Im vernünftigen Gespräch vierer Charaktere, die trotz ihrer Jugend schon um die Leidenschaft und ihre Abgründe wissen. nach oben



„Künstler im Dialog“ – eine Konzertreihe im Herrenhaus Salzau

Ein Streichquartett ist die höchste Form der Teamfähigkeit

Nach einem Vortrag wird üblicherweise eine Diskussion angeboten. Nach einem Konzert hingegen klatscht man und geht von dannen. Ein Gespräch mit den Künstlern, selbst wenn sie noch im Foyer erscheinen, kommt selten zustande. Das muss nicht sein, meinen das Landeskulturzentrum Salzau und die Hochschule für Musik und Theater Hamburg und eröffneten jetzt die Reihe „Künstler im Dialog“. Bei diesen Konzerten wird nach der Pause ein Gespräch zwischen Musikern und Publikum angeregt. Den Anfang machte das Frauen-Streichquartett „Infiando“ [Mizar Quartett]. Drei weitere solcher Veranstaltungen folgen.

Das ist kein liebliches Spiel, was die vier jungen eher zart gebauten Frauen - zwischen 22 und 27 Jahre alt – da vollziehen, sondern geballte musikalische Kraft und das in perfektem Zusammenklang. Am Anfang ein ausgesprochen schwermütiger Mozart: Adagio und Fuge in c-Moll F-Dur KV 546. Die erste Geige (Friederike Hess) versucht verzweifelt nach oben zu jubilieren, doch wütende Dämonen (Julia Brommann, Violine, Juliane Bremer, Viola, Corinna Leonbacher, Cello) geben sie nicht frei. Vom ersten Takt an schlug das Infiando-Quartett [Mizar Quartett] die Zuhörer im Vestibül des Salzauer Herrenhauses in den Bann. Dann das Hauptstück des Abends, das Streichquartett Nr.8 c-Moll op. 110 von Dmitri Schostakovic. Der Russe hatte es 1960 im vom Krieg gezeichneten Dresden komponiert und den Opfern des Faschismus gewidmet, wie Julia Brommann zuvor erklärte, und er hat seine Initialen D,Es,C und H als Tonfolge in alle Sätze eingebaut. Als bedrückende Klage im Largo. Wie ein stechwütiger Wespenschwarm im Allegro molto – Schwerstarbeit für die Streicherinnen. Diese „Wespen“ werden im Allegretto wie durch magische Kraft in einen gespenstischen Tanz gezwungen, ohne ihre Wut zu mindern – einen Totentanz, so die Interpretation der Musikerinnen. Im vierten Satz Largo dominieren immer wieder drei kräftige Striche, als gebiete eine zornige Mutter ihrem unverstandenen Kind Ruhe. Das zarte Weinen des Kindes emanzipiert sich schließlich im Abschluss-Largo zu einer Klage starker, souveräner Engel. „Ein Streichquartett erfordert die höchste Form der Teamfähigkeit“, führte Martina Kurth in das Gespräch ein, die Leiterin der externen Veranstaltungen der Hochschule für Musik und Theater. Es sei ungewöhnlich, dass das erst seit 2005 bestehende Quartett so schnell musikalisch zusammengefunden habe. Auf solche Teamfähigkeit würden sicherlich so manche Firmenbelegschaften neidisch sein. „Es ist wohl Voraussetzung, dass man sich auch menschlich mag“, meinte dazu Corinna Leonbacher. Um die Praxis des Musikerinnen-Alltags drehten sich auch die anschließenden Fragen aus dem Publikum, zu dem die vier Damen mit Stühlen näher herangerückt waren – ein fast intimer Rahmen bei den etwa 40 Gästen, von denen einige sogar aus Schleswig gekommen sind. „Treffen sie sich auch privat?“, so eine Frage. – „Ja, gelegentlich zum Kochen oder Cocktail Trinken.“ Aber eine WG sei das nicht. „Wir wohnen von Buxtehude bis Barmbek –und haben auch alle unsere Männer.“ Da sei es gar nicht so leicht, gemeinsame Termine zu finden“, räumt Friederike Hess ein. Doch: „Jeder bewältigt die musikalischen Probleme selbst, bevor er sich in der Gruppe trifft.“, betont Julia Brommann. Die musikalische Stimmung auch zu treffen, sei bei den Probe oft schwierig, denn „da probt man eher einzelne Sätze, da geht der Zusammenhang leicht verloren.“ Auch wenn dem so sein mag: Beim Konzert hatten sie ihn jedenfalls mühelos wiedergefunden. Alle vier Stammen aus Musikerfamilien und hatten „die Geige neben der Nuckelflasche liegen“. – „Die Familien sind es, die ihre Musik an die nächste Generation weitergeben“, bemerkte ein Zuhörer und bedauerte, dass dies sonst so sehr im Argen liege. Doch es gibt Ausnahmen: Julia Brommann hat eine sechsjährige Schülerin, die unbedingt Geige lernen will, obwohl ihre Eltern das nicht verstehen. Zum Schluss gab es einen ausgesprochen verspielten Beethoven (Streichquartett Nr.4 c-Moill op 18).[...] nach oben

Tonio Keller

Aus: Bauernblatt, 25. Oktober 2008


Mit Schmerz und Melancholie in den Frühling

Beim Lions-Konzert in Harsefeld überzeugten die Hamburger Musikstudenten vom „Infiando Quartett“ [Mizar Quartett]

Harsefeld (gj). Sie haben ihre große Zukunft noch vor sich. Doch was die vier Virtuosen [...] ihren Streichinstrumenten mit traumhafter Sicherheit entlockten, von der Klassik bis zur Moderne, hinterließ in der gut besuchten Neuapostolischen Kirche einen nachhaltigen Eindruck. Die vorwiegend musikverständigen Besucher dankten es den vier jungen Frauen mit stehenden Ovationen und minutenlangem Schlussbeifall. Versteht sich, dass sich die Streicher mit einer Zugabe revanchierten. Es war bereits das fünfte vom Lions-Club Harsefeld arrangierte Konzert unter dem Motto „Harsefeld begrüßt den Frühling“. Das ausgewogene Programm des „Infiando Quartetts“ [Mizar Quartett] war allerdings weniger auf den Frühling abgestimmt. Sieht man einmal von der Intrade mit Mozarts Divertimento in F-Dur ab, das vor allem mit seinem ‚singenden’ Allegro frühlingshafte Gefühle erweckte, bewirkte Dimitrij Schostakovitsch in seinen Streichquartett Nr. 8 c-Moll geradezu das Gegenteil. In diesem, gegen Rassismus und Krieg gewidmeten Werk, schreit die russische Seele geradezu nach Gerechtigkeit und Frieden. Die vier Instrumentalisten Friederike Hess, Julia Brommann (Violine), Juliane Bremer (Bratsche) und Corinna Leonbacher (Cello) setzten die zwiespältigen Gefühlsausbrüche, des Komponisten, wie tiefe Trauer, Klage, Schmerz, Verzweiflung aber auch Hoffnung und Zuversicht mit überzeugender Interpretation um. Nach der Pause entführte der große norwegische Romantiker Edvard Grieg die Zuhörer in die unendlichen Weiten seiner malerischen Heimat. Das Infiando Quartett [Mizar Quartett] verstand es vortrefflich, ein Stimmungsbild mit eigenartiger Harmonik folkloristischer Akzente zu setzen. Wie kaum ein anderer malte und zeichnete Grieg, wie auch im Streichquartett g-Moll, sein Land mit melancholisch klangvoller Schönheit. Fazit: Ein Abend, den man so schnell nicht vergisst. Der Reinerlös der Veranstaltung kommt der Integration von Kindern mit Behinderungen in Harsefeld zugute.

Stader Tageblatt vom 07.04.2008 nach oben

Saskia Rohde

Violine

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17.1.2020 18 Uhr

Neujahrsempfang der Baumkuchenstadt Salzwedel

Kulturhaus Salzwedel

Hörproben

Joseph Haydn: Lerchenquartett Satz 1-4

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